Sammelwerk Zweitausendneunzehn

___

Unter einer Regenplane plane ich rege die nächsten Manöver nach dem altvertrauten Prinzip: hangover. Over and out- George Orwell hat es damals schon durchschaut. Die Ware Mensch wird mit Billigflügen über den halbzerstörten Erdball geschickt ohne Kerosinsteuer, aber einer Handykamera an Bord. Bescheuert, wer das noch alles mitmacht ohne sich selbst zu hinterfragen oder seinen mit Sprengsatz detonierten Koffer sich selber hinterherzutragen. Der Geoglyph macht alles ganz antiautoritär und beschert konzeptionelles Zerwürfnis sowie gleichzeitig gesellige Betäubung. Zentrale Zerstäubung verkohlter, wild zerstreuter Zündhölzer. Radaralarm, Alarm, Radar! Rar wird rar, denn der Mitmensch als Solches hüllt sich in Schweigen und die Möbel in Staub. Zeit tickt dann im Gleichstrom der Nachrichten, die man sich nicht schreibt. 
Ein leerer Geschmack im Rachen und der Mundraum wird taub. Es legt sich Unterschwelligkeit auf die belegte Zunge und fördert latent die Bildung weiterer Stippchen fürs bestehende, vorgaukelnde System. Und ist es am Ende nicht auch genau das- alles wie ein nie rosten wollendes Wellblechdach? Standing. Still. Sleep. Salvation.
Dreckige Hände werden geahndet und gerohrstockt, so lange das Fegefeuer im Herzen noch zu offensichtlich brennt. Future ist die Zukunft und wir doch Alle nur erzogen zu einer widerwilligen Vernunft. Symmetrie und Antichemie. Twentyfourseven. Syndikat. Sinn im dichterdesolaten, deutschen Staat.

____

Haifischbecken. Sorte Romancier mit Sozialindikator als Bonus. Vokabelfeuer entfacht immer dann, wenn ich mich selber anzünde. Kurzzeitig erholsamer Schlaf, bis ich schweißüberlaufen neben dem abgegriffenen Synonymbuch wieder erwache. Ertappe mich selbst im Schafspelz, lonesome wolf in the middlish night. Ohne Hintertürchen und ohne slash, einfach anti dem Flash. Copy and paste. Unlucky mastermind und mighty wanderer. In der Welt da draußen wird wie selbstverständlich bei aufreißender Wolkendecke die Wortlosigkeit zementiert und in Zeilenumbrüchen halbiert, wird gefesselt, wie versehen, wird mit Konsenslosigkeit umsehen.  Future is leaving long before you know. Und der Kontext wird zu Gunsten der bewusstlosen Eile phrasenmetaphorisch und perspektivlos gequält übergangen. Schachtelsätze und Buchstabenschlangen haben zu Recht, sehr berechtigtes Bangen. But I am not there. Und ohne mich. Mit Überzeugung ablehnend und aus Überempfindlichkeit alleinstehend folge ich der tiefen Intuition des Abstraktum. Und da das Chaos des kreativ Verwirrten immer auch tales of another direction aufzeigt, erblicke ich schließlich mit verschobener Sicht das strahlende, dritte Auge am regenverhangenen Horizont, als ich mit meinem zugeknoteten, quadratischen Stofftuch an einem starken, zurecht geschnitzten Ast über der linken Schulter baumelnd durch den sandbedeckten Slalom der Antwortlosigkeiten pilgere. 

Zu diesem Zeitpunkt sind die dazugehörigen, großen Fragen in meinem Gedächtnis längst schon in Vergessenheit geraten. Im Orchestergraben meines eigenen Garten Lebens zu graben; Garten Eden für den Privatgebrauch auf einer Sinnessuche nach dem Strang, der Existenzrecht unterstreicht und für das nihilistisch gute Leben reicht. Lebendig sein, auch wenn die Vorherbestimmung auf leisen Sohlen stets und stetig und unsichtbar nur ein paar Maßeinheiten hinter uns schleicht.  Schieflagige Kreisläufe durchbrechen und Ecken mit Kanten erschaffen. Sich an diesen zu stoßen, ist architektonisch unvermeidbar in Gebäuden mit Solarzellen auf dem Dach, nur auf die Deckenhöhe kommt es an und wie weit die Stirn den Sterngefilden zugerichtet ist. So ziehe ich es vor, meinen Kopf ganz azur lieber unter offenem Himmelszelt zu verwalten. Musisch an der eigenen Menschlichkeit zu schleifen, bis auch die letzten Späne gehobelt sind. Beträufelt vom späten Glück sitze ich auf den Klippen Sardiniens und schaue in die blutrotuntergehende Sonne hinter den letzten Wellen meines europäisch geprägten Wohlstandverstandes. Dream Pop für den inner Beatnik. Die Vokale und Konsonanten stehen fallend mit der Rhetorik, dieser auszuführenden Symbolik mit erdrückendem Zeitverlust im Genick. Wem gebührt dieses Glück und wem nur das Geschick? 
Mir steht die Wortwahl frei, doch nicht der Ort, an dem ich bin. 
Eine schwere Identitätskrise wirft ihre Schatten und treibt mich ohne Vitamin D in den sich niederzuschreibenden Zwiespalt. Ohne das dritte Auge und Bella Italia, ohne gefüllten Orchestergraben und Fenster zum Hof bleibt mir nur die melodiöse Erinnerung als überdauernder Sinn. Prosaischer Abstand zu Verlust ist kein Gewinn.

Sammelwerk Zweitausendachtzehn

___

Über brüchiges Eis tanzen und andere losgelöste, unverhältnismäßige Diskrepanzen zwischen Respekttosigkeit und Toleranzen. Schulranzen und Zuckertüten und Tüten voller Einkäufe, die man eigentlich gar nicht bezahlen kann. Tüten vom grünen Mann und alles andere Papier dann in die blaue Tonne rein. Mitten am Tag bricht die Nacht über uns herein. Aus meinem Fenster in Neukölln höre ich den Katzenjammer bellen. Dream dance Hawai und eine gefüllte Waldbühne. Die beste Band des Universums und die Struktur des Schreibens. Aufzeichnungen eines Innenseiters. Die Hermannstraße im kindlichen Stillleben: stilvoll mit Kindern leben. I am not there. Mit Flügeln am Boden der Romantik kleben. Zwischen Sonnenblumenkernen und zu funkelnden Sternen. Some girls are bigger than others. Die Chronologie einer Zeitreisenden bedeutet sich zu entwaffnen und komplett zu enteignen mit den Euren wie mit den Eigenen. Ohne Gepäck und mit Übergewicht, zu bepackt und ungeschützt vor dem Bundeslandgericht. Die Chronologie einer Zeitreisenden ist ohne Sendungsverfolgung oder geschützter Behausung. Interpretation als nicht anerkannten Lohn. Und das Recht auf Meinungsfreiheit per Artikulationsamputation.

Bitte schreiben Sie in Druckbuchstaben. Duplikat und Kopien zweiseitig bedruckt. Persona non grata. Ich. Mittendrin im Dickicht. Und Elliott Smith. Papierflieger. Senkrechtstarter . Die Realität ist ein höchst unzuverlässiger Aufenthaltsort hat man mir gesagt und ich hielt mich daran. On the run, run, run. An sich auflösenden, mich zusammensetzenden Plätzen und dabei viel zu hastig verbalisierten Sätzen. Taschentücherfetzen. Denn outer space ist immer auch von innen heraus. Und Angst essen Seele auf.  Vor Toilettenkabinen und welche davon wirklich dazu dienen, auf diesen feuchten Wegen. This is the time.

___

Die Melancholie ist schon da, bevor ich es bin. Der große Fluss am anderen Ende meines Heimatlandes; Heimat, wo bin ich gestrandet? Brandenburg ist eine Wüste. Polen ist Juwel und hält die Weltwirtschaft in Schach. An der Elbe schlagen Herzen und warten Schaukeln. Mit Zigaretten, die nicht hätten sein müssen, aber gut geschmeckt haben. Hinter dem Sonnenaufgang am Deich wartet unsere Zukunft sogleich, lass uns noch hier bleiben und ein bisschen gute Geschichte schreiben. Niemand wartet auf uns und wir sind noch mal jung. Kaputter Auspuff und Luftballons aufpusten. Und Kabelbinder und Draht und Dosenbier ohne Korb am Schnellstreckenfahrrad. Zehn Jahre Später. Klarsicht. Vierhundert Kilometer entfernt. Ist es die gleiche Erde, aber eine andere Scheibe, die hier ihre breiten Grade für mich bereit hält. Windfänger und Hundezwinger, Strandkörbe und Bienennester. Feiern, wie die Feste fallen. Get Up Kids im Vollrausch auf dem Rücksitz nach Nirgendwo. Strohhüte und Bierbäuche. Unwillkommene Gepflogenheiten und fernweltliche Bräuche. Verweigertes Gebiet. Alles auf Eigenverantwortung, das hier geschieht.

___

Was bricht sich an einem Gedicht, wenn man es in ein strombetriebenes Gerät herein tippt? Was bedeutet es zu sehen, wie man die Buchstaben formt zu dem, was einem auf dem Herzen brennt? Ein zerknittertes Heft voll zusammengesetzter Zeilen, die vom Dichtertum weilen. Dichter tun. Sich Schriftbild und Schutzschild zu Aphorismen unter mondscheinigen, sich brechenden Prismen. Ich habe die Kugelschreibermine herunter geschrieben und das nächste Büchlein gefüllt, habe verloren und habe gesponnen. Worte zu gewinnen bedeutet das Danach gewonnen.

Zwischen Kurzwaren und Langstrümpfen bewache ich ihre Träume Nacht für Nacht. Mit meinem Platzpatronengewehr stehe ich am Fußgängerwegesrand und blicke vorbeifahrenden Anhängern hinterher, auf denen mit Mindestgeschwindigkeit die Zukunft transportiert wird. Future me is killing me. Doch fernab dieser motorisierten Kultur feiere ich jeden Tag aufs Neue: Den Tag aufs Neue. Oh, wie sehr ich mich des dichter Tuns freue.

___

Spät abends, beinah nachts, schleiche ich die Treppen hinunter. Die Tür fällt leise ins Schloss und ich mache einen kleinen Sprung in die kühle Winterluft. Die Reifen sind aufgepumpt und der Rucksack geschnallt. Klebend befestige ich mit aerosolverleimten Händen Mosaiksteinchen an herrenlosen Wänden. Wenn die Worte hier Transportmittel sind, dann bin ich Gott und die Welt und wieder Kind.

___

Ein Hochstand in den Bergen, weit da vorne und Waldmeister auf dem Boden. Unkraut vergeht nicht zwischen tot geglaubten Göttern und unsichtbaren Zwergen. Auf zartem Espenlaub liegend beginne ich meine zerbrechliche Geschichte mit ihr. Immer auf gepackten Koffern sitzend, stelle ich mich meinen abertausend Gefühlen. Alltagssymmetrie außerhalb des allgegenwärtigen Algorithmus bahnt sich an. Ausbruch. Ich zerbreche und bestehe an Schuhen, die drücken und Telefonkabeln aus Glasfaser. Bühnen und Rednerpulte und Raucherkneipen. Einige Pfeile und zwei große Gläser. Kopfsprung vom jungen Leben und kurz im Ort Erinnerung baden- Herzbruch. Der Hof als nicht Dachterrasse ohne Klingelanlage. Geräusche am Fenster, observierend umgesiedelt ohne Ortswechsel. Mein Blick öffnet die Fenster und heute ist so ein Tag, an dem man nicht weiß, ob Herbst oder Frühling ist, ob es Wahrheit oder Lüge ist. Ich kann hier nicht nur leben, ich muss auch etwas sagen können in meiner Selbstdistanz, wenn ihr alle im Affentanz so um mich tanzt. Pleitegeier kreisen über der Mercedes Benz Bank und in gleichnamiger Arena wird Plastik für horrende Summen verkauft. Plötzlich sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und nur noch rote Ampeln im Stadtverkehr, mitgetragenes Laub am Gaspedal und alle paar Meter die Sirenen einer Feuerwehr. Im Dunst des Überreizes und heißbefahrener Straßen verschwinden die Jahreszeiten und werden zu glühend heißer Lava. Ich bin nichts und ich bin alles. Oder wer kann bezeugen, dass ich wirklich da war?

___

Ich kraxel und krixel über Tausenden von Pixel. Unter viereckigen Überwachungskameras zwischen Gemüseregal und femme fatale. An diesen in schwarzweiß und tonlos aufzeichnenden Wänden klebt das Armutszeugnis echtgold eingerahmt und trägt Zensur; stur in die Welt hinaus und das auch nur an besser lizensierten Tagen. Zumeist sind es dann fernöstliche Gerüche und eine fremdzubereitete Küche, die das Innerwohl an Überzeugung laben. Auf mobilisierten Tragen in der Innenstadt werden Existenzängste und Versagensklagen durch das Straßenbild geschoben, in dem sich jeder im Wege steht und nicht auf die Ellenbogen des Anderen achtet sondern nur auf die Leuchtionen seines Telefons bedacht ist. Glückskekse gibt es gratis dazu, den seit Stunden ersehnten Toilettengang jedoch nicht. Röstzwiebeln und Erdnusssauce, China in your unwashed hands and to go.  Welcome to your own, inner globalization! Kriminalpolizeisirenen und wild gezähmte Pferdemähnen. Lavendel an den Schläfen und Dieselautos im Halteverbot. Sleeping cops hinter nicht wegweisenden Schildern. An der Kaiserskasse währenddessen akzentuiert das überwiegend schwäbisch Gesprochene in weißen Tischtennissocken. Behäbig, als Vollblutberlinerin und Teilzeitgroßverdienerin. Karpaltunnelsyndrom. Lieber landstreichen, weil da die Kapazitäten weiter reichen; weitreichend bin ich an Gewässern und barocken Gemäuern schleichend, immer nie so lange bleibend und immer eher am Tisch vergraben, schreibend. Anarchie und Landwirtschaft gepaart mit der tiefen Sehnsucht nach bewegter Routine. Aufregend soll es bleiben, aber absehbar! Keine Überraschungen in den Wäldern des emotionalen Wohlstands.
Als digital textliche Form vertracktexte ich diese ominös individuelle Lebensform. Papercuts. Antinorm gepresbyteriert. Komplexum. Mutter Natur.

Druck ausüben auf Druckbuchstabentastatur. Eingabefehlerfraktur. Fragwürdig, ob die Besenreinheit menschlichen Makels uns unter ein besseres Licht stellt als jenes, das vom Himmel fällt. Ein von ultravioletten Strahlen gegeißelter Mond und ins Exil befreite Bedürfnisse, die zerlaufen wie Aquarell.

The idea is to die young – as late as possible in the inside sounds of nowhereville

Sammelwerk 2017

____

Ich habe in der hundertsiebenundsiebzigsten Nacht in Folge drei Stunden und zwei Minuten geschlafen, habe mich mit dem Ballast eines Jahrzehntes durch den Tag getragen, habe zum Abendbrot dreihundert Gramm Möhren geschält und sie neunhundert Sekunden köcheln lassen. Habe vom kurzen Wochenende am See fünfzehn neue Mückenstiche an den Knöcheln und vier weitere Höhepunkte mitgenommen. Bin gestern für sechsundzwanzig Taler und achtundvierzig Groschen einkaufen gewesen, mit dem Rest als Trinkgeldspesen für mein flüssig Brot ohne Tresen.

Ich bin die Börse ohne Geld, die mal steigt und eher fällt. Wenn ihr nicht gefällt, was alles geschieht in der dünnhäutigen Welt. Was dann wirklich zählt: dass der letzte Notschein nicht fehlt, wenn die nummerierte Zahlenfolge die aktive Buchstabenbegrenzung quält.

____

Ein Flugzeug fliegt, irgendwo. Ich sitze nicht darin. Alle Straßen sind leer und alle Häuser weg. Ich schwirre durchs Urbane und sehe doch vor lauter Bäumen den Wald nicht ganz. Wenn ich verstehen will, wo ich mich befinde, muss ich mich in Bewegung setzen. Wieder einen Schritt nach dem anderen machen. Meine Füße, sie bringen mich an Ort und Zeit, meine Schuhe, sie finden den Weg für meinen Körper, finden die Buchstaben in meinem Kopf für alle unausgesprochenen Wörter. Meine Vans lassen mich erst hängen, wenn ich sie spät nachts abstreife und alles aufschreibe. Ich bleibe. Noch kurz hinter den sich öffnenden U-Bahn Türen stehen und fast wie ausversehen springe ich dann auf den Bahnsteig, in letzter Sekunde. Lesson learned: nur wer wagt, der lernt. Und earned. Und dass es wirklich nicht wichtig ist, welche von all den Türen man nimmt, solange man bedacht ist, wie man sie durchschreitet.

___

Reinkultureller Frischfrost macht sich an meinen Schuhen zu schaffen und legt sich bereits am jungen Abend trügerisch auf die warmgefahrenen Feierabendautos dieser Straßen. Meine Straße endet in einer Sackgasse und mündet am Kanal. Mein Freiheitsentzug ist plakatiert und hat bunte Wände. Man darf hier rauchen und rauschen, essen und schlafen wann man möchte, mal mehr und mal weniger. Man kann es deuten wie man möchte; es ist Auslegungssache. Mein augenscheinlicher Globus, das ist eine gut überschaubare Einmündung am hölzernen Steg des halbmittelständischen Bestehens. Eine Sackgasse hat etwas in sich Schließendes; ich schließe die Wohnungstür zum Mehr, zur guten Brücke, zur weichsandigen, letzten Bucht. Hier gibt es dekorative Fotos nebst frohlockenden Bändern und hübschen Verkleidungen an den Rändern, sowie gut sortierten Platten auf den Tellern. Zwar bin ich auf freiem Feld mit gutem Dünger und bestknospersten Voraussichten gewachsen. Doch scheint es, als gleiten heute nur noch Mauern und Wände durch meine kopfgesteuerten, immer viel zu vollen Hände. In einer viel zu leeren Metropole habe ich gesehen: es sind die Robben an der östlichen Mole, die wirklich springen.

You are free!, spring.

Winter. Wir sind. Und haben.

Fernweh, aller guter Grenzen nah.

So zieht es mich vorbei an zufriedenen Kühen und an Kleeblättern, die auf Butterstücken blühen. Pasteurisierte Sahne to go und auch zum Sprühen. Mein Deutschland ist das innerfeste Kriegsgebiet, in dem es zu viel Stillstand gibt. Wer stellt die Weichen und wer ist dergleichen unter dem immer Gleichen? Ich bevorzuge Striche unter dem Karierten und Streifen gegen die Resonanz, Askese und Tanz. Nach all den zapfenstreichigen Sperrungen im gelösten Narrentum bin ich da, wo ich nicht bin. Währenddessen, unter einer Sturzflut von Licht, erscheint der öffentliche Dienst zur Nachtschicht und am Bahnhof im nirgendwo/indie go dann die tränenreiche Erkenntnis letztkonstruierter Tage: Triebwerksstörung im Drüsenjet, die Apparaturen schalten selbstständig von hin auf her, im Batteriefach ist die Kopfzelle leer. Beim Soopersonderwunderhandel gibt es diese Sorte jedoch schon längst nicht mehr.

You are free, aber zu welchem Preis? Ich lockere das Kabel zu meinem iPod, Wackelkontakt.

BABY DONT GROW UP: ITS A TRAP.

____

Die Zehenspitzen sind kalt, hier im lichterlosen, verblätterten Schreib- und Buchstabenwald. Tausche Harfen gegen Harken, mit denen ich beginne das Verjährte zu harken. Die Wölfe jaulen leise und kreisen mich ein, scharenweise. Ich schaue ihnen in die Augen, hebe meinen Bleistift, eine großmaulige Parole auf den Schreibpazifismus entweicht meinen müden Sprachorganen, der Rudel schwingt ehrfürchtig alphabettüchtig seine weißen Friedensfahnen, beruhigt kann ich nun aufatmen, in meinem selbsternannten dschungeligen Garten am Wald, in dem es vor Wolfsgeheule zum freundlichen Abschied nun lieblich schallt. Es beginnt zu tröpfeln aus den Wolken, wie gut, dass ich die blaugelben Gummistiefel trag‘ und das beschützende Opinel bei mir hab‘.

_____

Ein Löwe kämpft in mir. Ein Tiger schläft unter meinem Bett. Zu viele Affen auf den Schultern für zu wenig Zucker am Tag. Und klack und zisch: Die Beine unter meinen Tisch! Frischgeköpfter Fisch und Spaghetti Eis zum Nach- am sesamkörnerverkrümelten Tisch. Zusammenbrechen wenn alles zusammenbricht. Doch es geschieht einfach nicht. Nichts geschieht einfach. Einfach geschieht nichts. Blaulicht, Rotstich, Gründepot, Schwarzmalerei. Hinterm finowfurter Regenbogen vermischt sich alles zu schönster Zuckerwatterei. Letharnei. Eins. Zwei. Bis nachts um Drei und nassen Füßen lassen die Zugvögel grüßen. Mit Leim und Molotow bewaffnet gestalte ich das Ortseingangsschild um. It wasn’t me, ich war es nicht. Lumdidum. Immer vierspurig und zweigleisig mit dem dreifach Blinker im Gepäck: Boredom, watch your back!

Sammelwerk Zweitausendsechszehn

____

Die Planeten drehen sich schneller in der Langsamkeit meiner Physik und weit über die Grenzmarken zwischen Wort und Musik. Alles ist, wie du es sagst. Ein geprägter Stempel im weitreichend ausreichenden Tiefetälertempel. Lonesome werewolf in meinem Freistaat. Ich ziehe mir die Kapuze tief ins fröstelnde Gesicht und beschnellige den Weg in wärmenden Alpakasocken und kühlnasskaputten Turnschuhen. Das Licht im Hausflur schalte ich nicht an, zwar ängstigt es mich mal dann und wann, allein auf den Treppen zu später Stund, doch ist das Licht so furchtbar hell und ungesund. Ich betrete ein bestickertes Paradies im kanaligen Gebiet. Die Tür ist ins Schloss gefallen und Gott sei Dank finde ich an diesen Räumen Gefallen, denn je weißer die Wände, desto geknebelter die Hände. Der begünstigt bunte Gedanke hilft dem Transport und hilft, dass die gezähmte Blüte Früchte trägt an einem anderen Ort. Hinfort! Mit den Staudämmen, den Einmündungen und dem unnötigen Klemmen von Dingen, die nun aber wirklich nicht sehr schlimm sind. Ach was red‘ ich da; schwimm mein Kind, schwimm! Befrei dich aus Erde und Struktur, meißel dich lose aus deiner innerfesten Skulptur. Die Oberflächlichkeit einer nicht zu zermürbenden Struktur der Rillen außen und innen, und die groben Kratzer ganz tief drinnen. Die Platte springt und ich bin Spion ohne Umhang, Agent ohne Fernrohr, ein Spitzel ohne Wanze. Es ist brüchiger Boden, auf dem ich tanze. Ich bin ich, doch wer sind wir? Wo bin ich und ja warum?

I am the creator of everything! 

_____

Die Materien wie sie so geschehen und passieren tun dies nie aus Versehen. In der Vorstellung mit kraftkleisterstarkem Tendieren, befinde ich mich auf zwei, drei, vieren. Wohne in Papieren, lasse mich anstiften, bewege mich auf Linien, bin den Buchstabenketten verschrieben. Wenn die Dinge alsdann so passieren kann ich mich 1A A4 verlieren, das Blatt mit doppeldeutigen Phrasen plakatieren, kann die Leere studieren, kann mit dem Schneider durch die Zeilen flanieren. Apostrophen und lieblich gereimte Strophen treffen auf Erkenntnis. Schreiben ist nicht wo ich bin, Schreiben ist der Sinn. Hinter Lichterketten und abgebrannten Zigaretten werde ich meine nummerierte Bleibe verwetten, welcher Umlaut kann mich hier schon retten? Die letzten sechsundzwanzig: füllfederhalterdicht.

Sammelwerk Zweitausendelf

___

Als Wortekünstler
In meiner eigenen Arena
Als Vokabularakrobat
Betreibe ich an deutschen Schulhöfen Hochverrat
Cruise auf meinem 5meter Einradfahrrad
Über alle Seen, Flüsse und Deiche meiner Stadt
Strom.

Erzeuge ich selbst.
Durst.

Habe ich immer.
Als Konsonantenjongleur
Als hohes Niveaukontrolleur
Mein verkannter Beruf:
Sprachendompteur.

___

____

An einer Hotelbar irgendwo
Mit Restgeld und einer Zigarette
Die Nacht ich rette
Meine Autorität ich verwette
Mein Schlaf zur Stätte
Meine Rast zur Ruh
Dreck an meinem Schuh
Und die Reinheit im Solarplexus
In allen Kanälen, an allen Chakren
Taktik.
Das Schlagwort
Aufhören.
Den Hauptstrom zu stören.
Gitarre, Taxi und Basecap

JOHANNESBURG 5 von 18

Flugnummer 8045179, Reihe 14, Sitz A und Essen Halal.
Mit aufgerissenen Augen starre ich auf das zerfledderte Flugticket in meinen schweißnassen Händen. Ohne Zeitempfinden und Orientierungsvermögen versuche ich mich an Details zu erinnern, doch alles ist so verschleiert wie die Frau in dem Sitz vor mir. Die Mahlzeit in dem silbernen Blechrechteck vor mir ist kalt.
Später betätige ich die Spülung an einem sonnigen Frühlingsnachmittag in einem fliesenlosen, nicht geputzten, stinkenden Klo in Doha, Saudi Arabien.

____

Namibia macht einen neuen blauen Fleck
Sternenhimmelbreit
Auf Straßen mit benzingetränktem Duft
Vermischt sich Brutalität mit Sonne dann in der Luft
Hinter jener Ecke ein bekanntes Gesicht, nur gegrüßt werde ich heut nicht
Denn you look different
Kann man wohl auch nur sagen zu wen man richtig kennt

___

Wie die meisten Gesprächen dann absaufen.

Neulich habe ich mich mit einem Freund unterhalten, der ebenfalls schriftstellerische Ambitionen hat.

„Ich habe eine neue Geschichte zu schreiben angefangen!“

Zisch.

„Ah cool…“

„Ja, aber ich brauche noch einen Inhalt.“